Die Oper und der Ball
Nirgends ist das Protokoll ausdrücklicher als in Wien: Die Bälle veröffentlichen ihren Code aufs Wort genau, die Opernhäuser ihre Hausordnungen. Was folgt, ist kein Stilrat, es ist das Reglement.
Was die Institutionen veröffentlichen
- Wiener Staatsoper (Wiener Opernball). Beim Wiener Opernball schreibt der Dresscode den Herren den schwarzen Frack mit weißem Hemd, weißer Fliege und schwarzen Lackschuhen vor; die Galauniform ist als Option ebenfalls zugelassen.
- Wiener Staatsoper (Wiener Opernball). Die Damen müssen ein bodenlanges Ballkleid tragen, in beliebiger Farbe; Tracht und festliches Dirndl sind ausdrücklich ausgeschlossen.
- Wiener Staatsoper (Wiener Opernball). Der Abend folgt einer festen Ordnung: Einlass um 20:15 Uhr, Eröffnung um 22 Uhr, Mitternachtsquadrille um 0 Uhr, Quadrillen um 2 Uhr und 4 Uhr, Ballende um 5 Uhr früh.
- Wiener Philharmoniker. Beim Ball der Wiener Philharmoniker im Musikverein sind langes Abendkleid und Frack vorgeschrieben; die Türen öffnen um 21 Uhr, Beginn um 22 Uhr, Ende um 5 Uhr.
- Opéra national de Paris. An der Opéra de Paris werden die Saaltüren geschlossen, sobald die Vorstellung begonnen hat; Zuspätkommende können nur in der Pause platziert werden, sofern der Ablauf der Vorstellung dies vorsieht, ohne Umtausch oder Erstattung der Karte.
- Teatro alla Scala. Die Scala verwehrt Besuchern in Shorts oder Trägershirt den Zutritt zum Saal, und die Karte wird in diesem Fall nicht erstattet.
Jede Regel ist dem von der Institution veröffentlichten Dokument entnommen, eingesehen unter ihrer offiziellen Adresse am 27.08.2026.
Der Usus, nach Ansicht des Hauses
Man kommt vor dem Schließen der Türen: Die Oper kennt keine elegante Verspätung. Man applaudiert weder zwischen den Sätzen noch während einer Stille des Dirigenten. Auf einem Ball überquert man die Tanzfläche nicht während einer Quadrille, und die Eröffnungsreverenz gehört den Debütanten: Man sieht ihr zu, man ahmt sie nicht nach.
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